Der Krieg geht weiter!

Der Krieg der obersten Mittelschicht in Verbindung mit der Oberschicht gegen die Steuerzahler, vulgo Otto-Normal-Bürger, geht in eine neue Runde. Dumm nur, dass die meisten von uns, die so genannten Leistungsträger, und das ist nach CDU / FDP-Denke offenbar schon jeder Facharbeiter, der mehr als 50 000 Euro p.a. verdient, von der Kriegserklärung im Herbst 2009 nichts mitbekommen haben.

Mir klingeln noch die Ohren, wenn ich daran denke, was uns Mr. 18-Prozent und seine HH Domina damals nicht alles vor der Stimmabgabe angekündigt – oder sollte ich sagen: versprochen? – haben. Dass selbst die dämlichsten Wähler schon damals kein Wort von dem glaubten, unterstelle ich mal. Aber dass es gleich zu einem Kreuzzug gegen das eigene Volk führen würde, überrascht mich denn doch. Habe mich eigentlich seit exakt 19 Jahren so verhalten, wie sich das jeder Finanzminister dieser Republik wünscht: nicht einen Tag arbeitslos, stets oberhalb der Versicherungsgrenze(n) – die ja schneller nach oben angepasst werden als Benzinpreise an der Zapfzäule – verdient, brav ESt- und sonstige Abgaben entrichtet und als Familienvater dann ordentlich den Konsum (Binnennachfrage) angekurbelt, in dem größere Autos (Kombi, Van), Haus, teuere Telefonanschlüsse (erst ISDN, dann DSL zur Befriedung der Quatschsucht pubertierender Nachkommen) und so weiter und so fort aus dem versteuerten Einkommen angechafft, gekauft wurden. Auch der Kirche ordentlich Geld hinterher geworfen, obwohl vor Jahren aus der Truppe ausgetreten, in dem ich brav jedes Jahr bei der ESt.-Erklärung die Ki-Steuer nachentrichtet habe, die die Ehefrau bei St.-Klasse 5 angeblich noch nicht in ausreichender Höhe gezahlt hatte…

Eigentlich müßig zu erwähnen, dass die Absetzbarkeit sämtlicher Ausgaben, der Staat muss die Wohltaten ja irgendwie finanzieren, quasi progressiv gegen Null gefahren wurde. AN-Pauschbetrag runter, Fahrten zur Arbeitsstelle, Sparerfreibetrag, und so weiter und so fort.

Irgendwann, es muss in der Steinzeit gewesen sein, hörte und las ich in den Medien, der Faktor Arbeit sei in D zu teuer. Das haben wir, die abhängig Beschäftigten, selbstverständlich sofort eingesehen und klaglos mitgetragen, dass man uns Jahr für Jahr immer weniger Netto auszahlt, die offizielle Inflationsrate nie angezweifelt und doch bei jeder Ausgabe das dumme Gefühl gehabt, der Euro ist, rein kaufkraftmäßig natürlich nur, weniger wert als eine DM.

Nein, wir sind keine Nostalgiker, keine Sozial-Träumer, wir können internationale Kennziffern und Vergleichszahlen lesen, beschweren uns aber dennoch nicht! Wir, wir netten, treudoofen Deutschen, sehen ein, dass es sich die zweit- oder drittstärkste Industrienation der Welt nicht leisten kann, seine Beschäftigten am Wohlstand der oberen 100.000 teilnehmen zu lassen. Wir akzeptieren, dass alle Länder um uns herum bei der Lohnentwicklung besser dastehen, denn wir, ja wir sind Exportweltmeister. Da können die Chinesen ihr Volk knechten und versklaven wie sie wollen: wir sind billiger, wir sind leidensfähiger! Hart wie Kruppstahl – oder so. Aber das ist ein anderes unsägliches deutsches Leidenskapitel.

Wir akzeptieren ebenso: Die geistig-finanzielle Wende musste einfach kommen. Wir zahlen einfach zu gerne für Nonnenmachers und Ackermanns. Wir finden es klasse, dass der Einzelhandel eine Rendite von einem Prozent, der erfolgreiche Handwerksbetrieb von – wenn er Glück hat – 2 Prozent erzielt, aber die Deutsche Bank 20 bis 25.

Wir akzeptieren ebenso, dass kluge BWLer in Maßanzügen die deutschen Autobahnen für VW und Co zu rollenden Lagerhallen umfunktioniert haben, auch wenn halt hin und wieder ein übermüdeter Lkw-Fahrer ungebremst die allein Erziehende im 15 Jahre alten Fiesta am Stauende ins Jenseits befördert. Heißt wohl Kollateralschaden und ist auch gar nicht weiter schlimm…

Anders jedenfalls kann ich mir nicht erklären, was hier gerade so abgeht. Und daher werde ich auch begeistert klatschen, wenn ich demnächst noch mehr für meine (freiwillige) Mitgliedschaft bei der gesetzlichen KV zahlen soll. Wie hoch plant ihr die Erhöhung, um der Pharmaindustrie und raffgierigen Zahnärzten (das sind diese drei Prozent FDP-Wähler), jegliche Einsparanstrengungen zu ersparen? 0,5 Prozent? Lächerlich Rössler! Wenn schon Krieg herrscht, dann legt die Pistole zur Seite und bringt die Artillerie in Stellung. Am besten die, die die BW früher hatte: Taktische Atomwaffen mit einer Reichweite von 16 km… Dann, nur dann kriegt er mehr Geld in die vollen Kassen.

Mit kühlem Kopf ins heiße Wochenende startend, höre ich jetzt lieber auf, sonst kot… ich noch!

Über mclgt

Journalist; courageous to tell the truth; independent
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3 Antworten zu Der Krieg geht weiter!

  1. Thomas Schalies schreibt:

    Lieber Mc Lgt,
    ich bin’s mal wieder! Ich weiß auch nicht warum, aber manchmal passiert es doch noch (wenngleich immer seltener), dass sich bei mir Widerstand regt, wenn’s mal wieder gegen die FDP geht. Es nun ausgerechnet dieser schnuckeligen, kleinen Partei anzudichten, dass diese bereits Mitbürger mit einem (Brutto-) Einkommen über 50.000 Euro p.a. zur “Oberschicht” zählt und entsprechend höher besteuern will, ist einfach unzutreffend und ungerecht! Hier unterscheiden sich dann doch die Liberalen für mein Dafürhalten noch wohltuend von den ach so sozialen Sozial- und (mit Abstrichen) Christdemokraten, von Grünen und Linken ganz zu schweigen. Richtig ist, dass innerhalb der FDP auf Bundesebene (zur Zeit noch vereinzelt) Überlegungen angestellt werden, für Einkommen im höheren sechsstelligen Bereich (so die FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag), also von deutlich über 100.000 Euro einen moderaten steuerlichen Zusatzbeitrag zu fordern. Ich finde nicht, dass diese Überegung zu beanstanden ist. Gerade die FDP, mag man noch so viel berechtigerweise an ihr kritisieren, legt nach wie vor sehr viel Wert darauf, den Mittelstand nicht ausbluten zu lassen.
    Sie werden es mir als “Mitblogger” nachsehen, wenn ich die Gelegenheit schamlos nutze, auf meinen eigenen Beitrag zu diesem Thema (“Bin ich reich?”)auf “http://schalies.wordpress.com” hinzuweisen.

    Übrigens: Über das sich abzeichnende Ergebnis der zum Reförmchen mutierenden, von Bundesgesundheitsminister Rössler angekündigten “Gesundheitsreform” bin ich auch enttäuscht. Erforderlich wären ganz sicher sehr viel einschneidendere Maßnahmen – bei denen ich allerdings auch nicht sicher wäre, ob diese Sie und andere Mitbürger/innen nicht auch zum Schäumen brächten. Ich denke da z.B. an echte Basistarife in der GKV, die sofort den empörten Vorwurf der “Zwei-Klassen-Medizin” als Totschlagsargument nach sich ziehen würden.

    • mclgt schreibt:

      Lieber Herr Schalies,

      sehen Sie es mir nach, aber ich muss Ihnen im ersten Abschnitt Ihrer Antwort vehement widersprechen und ich bin eher – so die Einschätzung meiner Freunde – ein linker CDUler oder ein rechter SPDler (im Sinne von H. Schmidt)…

      Aber wenn die Steuer-Progression bereits beim gut verdienenden Facharbeiter mit rd. 50 000 € zuschlägt und man dann sieht, dass der Freiberufler – und die wählen bekanntlich zum Großteil FDP – dank ihres persönlichen steuerlichen “Gestaltungsspielraums” eine Steuerbelastung von unter 30 Prozent haben, dann ist etwas schief im Staate (nicht DK, sondern D!).

      Wie kann es gerecht sein, dass meine Schwester als Beamtin im AA bei der gleichen Besoldungsstufe wie ich und den gleichen, nahezu identischen Familienverhältnissen (das Kindergeld rausgerechnet, da sie 3 und ich 2 Kids habe) NETTO fast 1000 Euro mehr im Monat hat und sich als Pensionärin auf 13 Gehälter freuen kann, während ich als Angestellter diese 1000 Euro weniger habe und später nur 12 Mal Rente beziehe? Wie kann es gerecht sein, dass mein Bruder als (mehrfacher) Firmeninhaber pro Monat 10000 Euro zur Verfügung hat, gegenüber dem FA aber NULL Steuern zahlt? Das alles ist nur möglich, weil sich gewisse Lobbyisten im BT durchsetzen und den “kleine” Mann das zahlen lassen, was zur Finanzierung des Staates notwendig ist….?

      Zu Ihren Ausführungen zum Reförmchen: ja, das müsste man machen! Es kann nicht sein, dass ein Großteil der Bevölkerung pro Quartal rd. 12 Mal zum Arzt geht und nur einmal 10 € Praxisgebühr zahlt. Es kann und darf nicht sein, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Erwachsenen zu fett ist und Kosten bis zum geht nicht mehr verursachen, dafür aber nicht zur Kasse gebeten werden…

      Ich war jahrelang Privatpatient und weiß, was Ärzte kosten. Nur: wenn man eine Ehefrau hat, die aufgrund der Kinder nicht arbeitet, dann ist es quasi unbezahlbar, Privatpatient zu bleiben. Für mich und die beiden Kids wäre es am besten, wir würden wieder in die PKV gehen. Nur das ist nicht meine Denke, nicht meine Auffassung von Solidarität. Also: PKV abschaffen, die Beitragsbemessungsgrenze bis auf 20.000 € Monatsaufkommen hoch setzen und dann einen linearen Tarif einführen. Darüber hinaus die Anzahl der Arztbesuche einschränken und Strafzuschläge nach BMI einführen. Sie glauben gar nicht, wie schnell dieses verfettete träge Volk sich anständig ernähren würde. In den USA, von deren Verhältnissen wir D. nicht sehr weit entfernt sind, die Adipösität mittlerweile als das größte Problem.. Da die Amis immer radikaler sind als wir, könnte ich mir vorstellen, das B. O. auch dieses Problem bald angeht. Er und die First Lady sind ja schlank genug….

      Insofern: die 2-Klassen-Medizin wäre gerecht! Für die Fetten und die, die auf sich achten! Wieso soll ich für Trinker, Kettenraucher, Maßlose und so weiter zahlen? Solidarität ist per Definition der Einsatz für die, die sich nicht selbst helfen können, denen geholfen werden muss. Das sind wirklich Kranke. Aber nicht Menschen, die auf Kosten anderer leben…

      Ich weiß, dass ich zynisch und radikal bin. Aber glauben Sie mir: das hat nichts, aber rein gar nichts mit Rechtsradikalismus oder Marktradikalismus zu tun. Das ist ratio!

      In diesem Sinne! – Rosenstolz singen gerade Sex im Hotel und das gefällt mir….

      Gruß

      Marc Lgt

  2. Thomas Schalies schreibt:

    Lieber Herr Langentepe,

    es wird Sie nicht richtig erstaunen, dass die Antwort nicht lange auf sich warten läßt:

    Sie vermischen da m.E. mehrere Probleme, z.T. auch schlichte Ungerechtigkeiten, um sie dann allesamt der FDP in die Schuhe zu schieben.

    So sprechen Sie im zweiten Absatz Ihrer Antwort die sog. “kalte Progression” an, die doch gerade die FDP schon seit Jahren kritisiert. Wir sollten der Fairness halber abwarten, ob sich die Liberalen wenigstens mit ihrem Vorhaben in der Berliner Koalition durchsetzen werden, dieses Problem in dieser Wahlperiode anzugehen. Ich bestreite aber in jedem Fall vehement, dass es nun ausgerechnet die FDP ist, die diese jahrelange mittelstandsfeindliche Steuerpolitik hauptsächlich zu vertreten hat. Vergessen Sie bitte bei der Suche nach den Urhebern nicht den entlarvenden Fauxpas des damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Rudolf Scharping, der bereits Bezieher von Brutto-Jahreseinkommen ab 50.000,- DM (Ledige) bzw. 100.000,- DM (Verheiratete) zu den “Besserverdienern” zählte und diese mit einer Zusatzsteuer belegen wollte!
    Es ist im Übrigen natürlich keinesfalls so, dass ein Freiberufler mit einem Überschuss/Gewinn von 50.000 Euro/Jahr weniger Einkommensteuer zahlt als ein Facharbeiter mit gleicher Einkommenshöhe. Der von Ihnen erwähnte Freiberufler – die übrigens entgegen aller vorurteile nicht alle Großverdiener sind – kann sicher nur dann weniger ESt. zahlen, wenn er weniger Gewinn erzielt hat. Nun generell zu unterstellen, dass dieser niedrigere Gewinn (Brutto-Einkommen) Produkt reines “Schön-” oder besser “Schlechtrechnens” ist, erscheint mir nicht redlich. Ich will dabei nicht bestreiten, dass Selbständige natürlich tendenziell mehr Möglichkeiten haben als nichtselbständig Beschäftigte (von denen manch einer allerdings auch einen privat nutzbaren Firmenwagen fährt, ohne den vollen Wert dieses Vorteils versteuern zu müssen). Die ganz großen Steuerminderungsmöglichkeiten, soweit sie ausschließlich von Selbständigen genutzt werden können, sind bereits in den vergangenen Jahren (zurecht) zusammengestrichen worden.

    Auch in Absatz 3 vermengen Sie – mit Verlaub – wieder einiges, um es dann komplett der FDP anzulasten. Die Besoldung von Beamten ist doch nicht das Machwerk speziell der FDP! Sie schreiben, dass Ihre Schwester “bei gleicher Besoldungsstufe” fast 1000 Euro monatlich netto mehr als Sie habe. Ich bestreite, dass dies so ist. Eine gleiche Besoldungsstufe kann es schon gar nicht sein, weil Ihre Schwester nach der Bundesbesoldungsgruppe “A” ihr Geld erhalten wird, während Sie nach dem sog. TVÖD (Tarifvertrag öffentl. Dienst) entlohnt werden. Vergleichen kann man doch nur die tatsächlichen Brutto-Gehälter und das, was hiervon netto übrig bleibt. Im Gehalt Ihrer Schwester dürfte z.B. schon wegen des 3. Kindes ein um 304,81 Euro höherer Familienzuschlag enthalten sein, der ja mit dem Kindergeld nichts zu tun hat. Bei der Berechnung des Steuerabzugs wird wiederum der (wegen des 3. Kindes) höhere Kinderfreibetrag berücksichtigt. Auch darf nicht außer Betracht gelassen werden, dass ein Beamter sich und seine Familie zu einem Teil privat krankenversichern muss, was kalkulatorisch von der verbleibenden Differenz beim Nettogehalt abzuziehen ist.
    Auch wenn unter’m Strich im Einzelfall ein Vorteil für den Beamten verbleiben sollte, so wäre es doch dann Sache der Tarifvertragspartner, dies ggf. zu ändern.
    Noch eins: Ich glaube nicht, dass dann, wenn wir das Renten- oder Pensionsalter erreicht haben werden, tatsächlich noch 13 Pensionsgehälter gezahlt werden!

    Zum Thema “Krankenversicherung”: Wenn man sich diesem Thema nähert, dann sollte man dies wirklich tabulos tun. Warum ziehen Sie dann z.B. nicht die hypothetische Möglichkeit in Betracht, die gesetzlichen KK abzuschaffen? Auch derartige Modelle gibt es ja durchaus, was dann natürlich staatliche Sozialausgleich nach sich zöge.
    Die einseitige Ächtung der Fetten, Raucher u.a. greift mir übrigens auch zu kurz – wie ist es mit den so Gesundheitsbewussten, die mehrmals wöchentlich ihr Verletzungsrisiko beim Sport maximieren?

    So, ich muss leider meinen Schreibfluss hier abbrechen, da ich mich auf den Weg nach Bad Doberan machen muss.

    Viele Grüße
    Ihr
    Thomas Schalies

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